Franziskanerkirche

Fast schon schlicht für Wiener Verhältnisse, erscheint die Westfassade der Franziskanerkirche, direkt am Franziskanerplatz im 1. Bezirk. Mit dem Bau der Kirche, die Teil des angrenzenden Franziskanerklosters ist, wurde der Beginn der „Klosteroffensive“, Anfang des 17. Jahrhunderts eingeläutet, um den katholischen Glauben in Österreich wiederzubeleben und dessen neue Präsenz zu demonstrieren.

Die wahren Schätze befinden sich im Inneren der Kirche, abseits vom Trubel der quirligen Metropole Wien. Ein Beil steckt heute noch in der linken Schulter der spätgotischen hölzernen Maria Gnadenstatue „Maria mit dem Beil“, die auf 1500 datiert wurde. Wenn es auch inmitten der prunkvollen Verzierungen nicht gleich ins Auge fällt, zeugt es der Legende nach, von mehreren erfolgslosen Zerstörungsversuchen der Statue im Zuge der Reformation. Bei Renovierungsarbeiten am mächtigen Hochaltar wurden Grisaille Malereien unter 12 Farbschichten wiederentdeckt und freigelegt, die als die frühsten in Wien gelten und in dieser Pracht nicht für möglich gehalten wurden.

Unter dem Bettchor befindet sich eine alte Brüdergruft. Kriege und Plünderungen mussten ein heilloses Durcheinander von aufgebrochenen Särgen, Knochen, und mumifizierten Leichenteilen verursacht haben. In den 30er Jahren machte es sich ein junger Mönch, Bruder Pius, zu seiner Lebensaufgabe dort wieder Friede und Ordnung herzustellen. Leider war er zu selbstvergessen und arbeite ungeschützt, dass er im Alter von nur 22 Jahren an eine Infektionskrankheit starb. Es sollte bis 1990 dauern, bis wieder ein sehr junger Mönch, Franziskanerbruder Elias Unegg, es sich abermals zur Aufgabe machte, die Unwürdige Behandlung der Verstorbenen wiedergut zu machen. Er opferte dafür 8 Jahre seines Lebens, bis sich sein Wunsch erfüllt hatte und er seine erste Messe in der alten Gruft feiern konnte.

Der wahre Schatz der Franziskanerkirche, ein ganz besonderes Klangjuwel, befindet sich jedoch versteckt im Bett Chor hinter dem Hochaltar: Die „Wöckherl Orgel“ – die älteste noch bespielbare Orgel Wiens aus dem Jahre 1642. Nach aufwendigen Renovierungsarbeiten, die erst 2011 beendet wurden, erklingen die großen Werke nun wieder dort in den selben Klangfarben, als vor fast 400 Jahren.

Es gibt wöchentliche Spezialvorführungen während des Sommers, der unumstrittene Höhepunkt ist jedoch zweifellos das Jährliche Orgelfestival Quintessenz. Johannes Ebenbauer, der Organist der Franziskaner Kirche, veranstaltet dieses Festspiel, in dem die Orgel allein, der Star ist. Es wird dabei ein Bogen von alten zu neuen Stücken gespannt, teils mit ungewöhnlichen Besetzungen und neuen Interpretationen. Auch ein Urelement des Orgelspiels, die Improvisation, kommt dabei nicht zu kurz und macht dabei diesen Konzerthöhepunkt zu etwas ganz Besonderem.

 

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